Seckelmanns Sieben Sachen

Wir stehen gerade am Flughafen in Dar es Salaam und warten bis wir einchecken dürfen.

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Das Kreuz des Südens

Im Moment haben wir kein Zuhause. Mbesa haben wir schon hinter uns gelassen und in Deutschland sind wir noch nicht angekommen. Wir hängen zwischen diesen beiden Welten. Es kommt uns alles ziemlich unwirklich vor. Wir können es noch gar nicht glauben, dass unsere Zeit in Tansania zu Ende ist.

Aber heimatlos sind wir nicht. Wir sind nur auf dem Weg von der alten Heimat, die uns Mbesa die letzten Jahre war, hin zu unserem neuen Zuhause, das uns Frankfurt in Zukunft wieder sein wird.

Und für uns gilt auch, was im Hebräerbrief steht: „Auf dieser Erde gibt es keine Stadt, in der wir für immer zu Hause sein können. Sehnsüchtig warten wir auf die Stadt, die im Himmel für uns erbaut ist.“ ( Hebräer 13, Vers 14)

Diese himmlische Heimat ist unser Ziel und gibt unserem Leben die Richtung. Das ist kein Vertrösten auf den Himmel, sondern unser Zielort, mit dem wir die Route hier auf der Erde planen. Sonst hätten wir die Buckelpiste nach Mbesa nie befahren.

Seit Jahrhunderten haben Seefahrer die Sterne zur Orientierung genutzt. Das war nur möglich, weil die Sterne außerhalb von ihnen lagen und unveränderlich waren. So konnten die Schiffe auch im Sturm, auf dem richtigen Kurs bleiben.

Kreuz des Südens

Das Kreuz des Südens

Gerade wenn vermeintliche Sicherheiten und Gewissheiten verloren gehen, sei es, dass wir persönlich schwierige Zeiten erleben, Migration unsere Gesellschaft verändert, oder Terror und Umweltzerstörung uns bedrohen, braucht man festen Halt

Wer in Krisen die Orientierung für sein Leben in sich selber sucht, oder sich mit dem Mainstream treiben lässt, könnte sich genauso gut die Sterne am Hauptmast festmachen. Damit kann man sich eigentlich nur um sich selber drehen und durchs Leben dümpeln.

In Mbesa kann man wegen des geringen Streulichts einen wunderschönen Sternenhimmel bestaunen. Über unserem Haus stand immer das Kreuz des Südens. Das werden wir jetzt leider nicht mehr sehen, aber am Kreuz werden wir uns auch weiterhin orientieren.

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Lieber ein Zebra streifen als einen Bullen überfahren

Die zweite Etappe unserer Reise nach Dar es Salaam haben wir heute gut gemeistert. Wir warten hier noch ein paar Tage bis unsere Seelen nachgekommen sind, bevor wir am Freitag ins Flugzeug nach Deutschland steigen.

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Mbesa no more

Jetzt ist es soweit. Heute sind wir unter vielen Tränen aus Mbesa abgereist.

Gott hat dort bemerkenswertes Bodenpersonal. Es war uns eine Ehre, dazugehört zu haben.

Von Samsung Mobile gesendet

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Das gefährlichste Landlebewesen Afrikas (Vorsicht Blut!)

In Tansania gibt es das gefährlichste Landlebewesen Afrikas an jeder Ecke. Letzte Woche hat es wieder zugeschlagen. Da muss man aufpassen.  Bei einer kleineren Meinungsverschiedenheit auf dem Reisfeld, zückte eine Frau ihre Sichel und zog sie ihrer Kontrahentin mehrfach kräftig durchs Gesicht.

Schnittwunde

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Die glatten Schnittkanten waren schnell wieder zusammengenäht, aber der Riss in der Beziehung der beiden Frauen ist wohl tiefer, als dass chirurgisches Nahtmaterial da etwas ausrichten könnte.

Immer wieder bekommen wir im Krankenhaus Patienten mit gefährlichen Hieb- oder Stichverletzungen, die scheinbar hemmungslose Menschen einander mit Macheten, Messern oder Knüppeln zufügen. Heute fragte die Polizei an, ob einer unserer Ärzte mit ihnen in einem Dorf eine Leichenschau durchführen könne. Jemand war so zugerichtet worden, dass er es gar nicht mehr bis ins Krankenhaus geschafft hat.

Ein bisschen mehr Nächstenliebe und Barmherzigkeit und Respekt vor dem Leben des Anderen wäre wohl angebracht. Aber wo soll das herkommen in einer Gesellschaft, in der die christlichen Einflüsse keine 100 Jahre alt sind?

Wir Missionsärzte haben deshalb immer versucht, nicht nur medizinische Hilfe zu bringen, sondern auch die Wurzel der Probleme anzugehen. Die christliche Botschaft eines menschenliebenden Gottes, der Vergebung möglich macht, ist wie nichts anderes geeignet, echte Veränderung zu bringen.

Weil wir jetzt weggehen, überwiegt bei unseren Patienten die Sorge, was werden wird, wenn keine Missionsärzte mehr da sind. Selbst Krankenhausmitarbeiter sagen: Wir haben Angst, wenn ihr geht, weil ihr wirklich ein Interesse an den Patienten habt. Wir Afrikaner kümmern uns nicht so wie ihr Weißen.

Ihre Sorge ist berechtigt, aber es liegt nicht an unserer Hautfarbe. Denn es gibt viele weiße Menschen, die sich einen Dreck um andere scheren, Flüchtlingsheime anzünden oder in feinster kapitalistischer Manier den eigenen Profit vor das Wohl anderer stellen. Und wer weiß, wie viele Menschen wir ‚Weißen‘ durch Politik oder allein durch unser Konsumverhalten auf dem Gewissen haben?

Der Grund warum wir Missionsärzte anders sind, hat weniger mit unserer Hautfarbe, sondern mehr damit zu tun, dass wir dem Auftrag Jesu folgen.

Das kann man mit jeglicher Hautfarbe. Einfach Jesus ernst nehmen, der gesagt hat, wir sollen den Anderen so behandeln, wie wir selber gerne behandelt werden möchten. Diese Formel ist in jeder Kultur anwendbar – ohne Übersetzung und ohne sie zu zerstören. Und selbst wenn man mit Gott gar nichts am Hut hat, würde man die positiven Effekte solch eines Verhaltens nicht bestreiten. Wir wissen alle wie es geht – nur tun müsste man es noch.

Das ist unsere Hoffnung für Mbesa auch wenn wir weg sind. Dass sich Einzelne von Gott verändern lassen und dann aus Ehrfurcht vor ihm, ihre Mitmenschen so behandeln, wie sie sich das für sich selber oder ihre engsten Verwandten wünschen würden.  In Mbesa ist sicherlich viel Luft nach oben, aber es hängt definitiv nicht an uns Weißen. Es ist immer der Einzelne, der in der konkreten Situation den Unterschied machen wird.

Wir waren in Tansania, um Jesu Botschaft in Wort und Tat zu verbreiten. Es hat sich gelohnt. Wir haben vielen Menschen geholfen und die Gute Nachricht gesät. Wir sind gespannt, welche von den Samen wann und bei wem aufgehen und Früchte tragen werden – sei es bei der Patientenversorgung im Krankenhaus, oder bei Streitigkeiten auf dem Reisfeld.

 

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Schlaflos in Mbesa

Wir hatten einen freien Abend. Alle Kinder waren zu einer Übernachtungsfeier bei unseren Lernhelferinnen. Wir konnten uns nicht erinnern, wann wir das letzte Mal sturmfreie Bude oder eine störungsfreie Nacht hatten.

Es war kurz vor Mitternacht als mein Mobil-Telefon klingelte. Da ich Hintergrunddienst für eine junge Kollegin hatte, musste ich wohl oder übel drangehen. Der Krankenhaus-Administrator war am Apparat und wollte wissen, wie viele Leistenbrüche wir letztes Jahr operiert hatten. Ich dachte: „Ich spinne“.

Er war gerade vom DMO, dem District Medical Officer (= oberster Kreisarzt) angerufen und um diese Information gebeten worden. Ich dachte: „Der spinnt“.  Keine Ahnung, was an unseren Leistungszahlen so Bedeutsames ist, dass sie uns um die Nachtruhe bringen sollten. Wenn mir mitten in der Nacht irgendetwas egal ist, dann wie viele Leistenbrüche wir letztes Jahr operiert haben. Vielleicht war der DMO davon ausgegangen, dass wir in Mbesa rund um die Uhr arbeiten und dem Schlaf mit dem hippokratischen Eid abgeschworen haben – und schließlich sind wir ihm reportpflichtig.

Immer wieder tauchen staatliche Kommissionen im Krankenhaus auf. Um jede Tageszeit, egal ob Feierabend oder Wochenende heißt es dann, Rede und Antwort stehen. Das ist eines der vielen zweifelhaften Vergnügen am Chefarztdasein.

Schade, dass beim DMO nicht alle Sachen so eine Priorität haben. Seit April 2016 warten wir auf einen Gesprächstermin mit ihm, um weitaus wichtigere Dinge zu besprechen, die den Fortbestand des Krankenhauses sichern helfen sollen. Wer weiß, wann wir da mal vorankommen. Aber immerhin interessiert der DMO sich für eine unserer Zahlen.

Vielleicht fragt sich ja auch der ein oder andere unserer Leser, was wir eigentlich die ganze Zeit machen und ob die Spenden gut angelegt sind.

Wir behandeln jeden, der es zu uns ins Krankenhaus schafft -vom Frühgeborenen bis zum Greis, egal ob mit Befindlichkeitsstörung oder lebensbedrohlicher Erkrankung. Manchmal müssen wir die Therapien für unsere Rahmenbedingungen etwas abwandeln. Das ist nicht optimal, aber trotzdem oft sehr effektiv. Wie bei diesen beiden Kleinkindern mit Oberschenkelbrüchen, die 4 Wochen ‚aufgehängt‘ werden.

Skintraktion

Nachts beschäftigt uns hauptsächlich der Kreißsaal. Durchschnittlich haben wir pro Jahr 1400 Geburten, wovon 27% kompliziert sind.

Und damit wir nicht nochmal nachts dafür geweckt werden, veröffentlichen wir hier auch die wichtigsten Operationszahlen des vergangenen Jahres.

Major Surgical Procedures

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Ein Anfängerfehler

Im Flur lag eine tote Kakerlake. Meine Frau bat mich, diese zu entfernen. Kein Problem, dachte ich und sagte ich. Leider stieß ich bei ihrer Entsorgung in unserem Arbeitsraum auf eine Schlange, der ich schlagartig meine ganze Aufmerksamkeit widmen musste. Es war eine große Schlange. In Tansania sind alle Schlangen per Definition ‚groß‘. Wenn ein Tansanier von einer Schlange berichtet, ist sie mindestens groß oder sehr groß. Schlangen werden im Allgemeinen und erst recht im Speziellen als so bedrohlich wahrgenommen, dass sie niemals als ‚klein‘ bezeichnet werden. Die Schlange in unserem Haus war ungefähr doppelt so groß wie der letzte Mitbewohner dieser Art (bedrohliche Artenvielfalt), aber genauer gesagt immer noch eher relativ groß.

Ich animierte meine Kinder sofort, mir etwas zum Schlagen zu bringen. Ich musste die Schlange ja im Blick behalten. Mit Lottis Fahrrad versuchte ich ihr den Fluchtweg abzuschneiden, weil ich Angst hatte, dass sie sich irgendwo verkriechen würde. Ich hatte mir geschworen, dass, wenn wir mal eine Schlange im Haus haben sollten, ich sie auf gar keinen Fall aus den Augen lassen würde. Da die schlagkräftige Unterstützung meiner Familie etwas auf sich warten ließ und die Schlange trotz (oder wegen) meiner Fahrradintervention in Bewegung blieb, war ich etwas unter Zugzwang. Deshalb tat ich genau das, was man in so einer Situation niemals tun sollte – ich ließ die Schlange kurz aus den Augen. Ich holte mir schnell aus dem Nebenraum eine Schaufel. Danach war die Schlange natürlich weg.

Noch blöder als eine Schlange im Haus zu haben ist, eine Schlange im Haus zu haben und nicht mehr zu wissen wo sie ist. Was für ein Anfängerfehler obwohl wir schon ein paar Jahre in Afrika leben. Es stellte sich bei mir ein gewisses Unbehagen ein, das ich auch in Worte fassen musste – Worte, die unsere Kinder nicht sagen dürfen. Cajus wurde kurz in den Gebrauch von Chemiewaffen (Insektenspray) eingewiesen, um der Schlange den für mich ungünstigsten Fluchtweg aus ihrem vermuteten Versteck zu blockieren. Dann zog ich eine Tonne unter dem Regal hervor.

Wenn man etwas Verlorenes wiederfindet, freut man sich. Ich war wirklich froh, die Schlange zu treffen. Was für ein Perspektivwechsel. Zuerst war ich geschockt, eine Schlange in unserem Haus zu sehen. Nachdem sie weg war, war ich regelrecht froh sie zu wieder zu sehen. Manche Dinge (und scheinbar auch Schlangen) muss man wohl erst verlieren, um sich beim Wiederfinden angemessen über sie zu freuen. Weitere Einzelheiten gibt es nicht zu berichten und wir haben auch leider kein Bild der Schlange, weil unsere Katze sie aufgefressen hat. Aber zum Beweis, dass wir eine Katze haben, können wir folgendes Bild einer anderen Begebenheit vorlegen.

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Katze (Felis silvestris) mit Puffotter (Bitis arietans)

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