Schlaflos in Mbesa

Wir hatten einen freien Abend. Alle Kinder waren zu einer Übernachtungsfeier bei unseren Lernhelferinnen. Wir konnten uns nicht erinnern, wann wir das letzte Mal sturmfreie Bude oder eine störungsfreie Nacht hatten.

Es war kurz vor Mitternacht als mein Mobil-Telefon klingelte. Da ich Hintergrunddienst für eine junge Kollegin hatte, musste ich wohl oder übel drangehen. Der Krankenhaus-Administrator war am Apparat und wollte wissen, wie viele Leistenbrüche wir letztes Jahr operiert hatten. Ich dachte: „Ich spinne“.

Er war gerade vom DMO, dem District Medical Officer (= oberster Kreisarzt) angerufen und um diese Information gebeten worden. Ich dachte: „Der spinnt“.  Keine Ahnung, was an unseren Leistungszahlen so Bedeutsames ist, dass sie uns um die Nachtruhe bringen sollten. Wenn mir mitten in der Nacht irgendetwas egal ist, dann wie viele Leistenbrüche wir letztes Jahr operiert haben. Vielleicht war der DMO davon ausgegangen, dass wir in Mbesa rund um die Uhr arbeiten und dem Schlaf mit dem hippokratischen Eid abgeschworen haben – und schließlich sind wir ihm reportpflichtig.

Immer wieder tauchen staatliche Kommissionen im Krankenhaus auf. Um jede Tageszeit, egal ob Feierabend oder Wochenende heißt es dann, Rede und Antwort stehen. Das ist eines der vielen zweifelhaften Vergnügen am Chefarztdasein.

Schade, dass beim DMO nicht alle Sachen so eine Priorität haben. Seit April 2016 warten wir auf einen Gesprächstermin mit ihm, um weitaus wichtigere Dinge zu besprechen, die den Fortbestand des Krankenhauses sichern helfen sollen. Wer weiß, wann wir da mal vorankommen. Aber immerhin interessiert der DMO sich für eine unserer Zahlen.

Vielleicht fragt sich ja auch der ein oder andere unserer Leser, was wir eigentlich die ganze Zeit machen und ob die Spenden gut angelegt sind.

Wir behandeln jeden, der es zu uns ins Krankenhaus schafft -vom Frühgeborenen bis zum Greis, egal ob mit Befindlichkeitsstörung oder lebensbedrohlicher Erkrankung. Manchmal müssen wir die Therapien für unsere Rahmenbedingungen etwas abwandeln. Das ist nicht optimal, aber trotzdem oft sehr effektiv. Wie bei diesen beiden Kleinkindern mit Oberschenkelbrüchen, die 4 Wochen ‚aufgehängt‘ werden.

Skintraktion

Nachts beschäftigt uns hauptsächlich der Kreißsaal. Durchschnittlich haben wir pro Jahr 1400 Geburten, wovon 27% kompliziert sind.

Und damit wir nicht nochmal nachts dafür geweckt werden, veröffentlichen wir hier auch die wichtigsten Operationszahlen des vergangenen Jahres.

Major Surgical Procedures

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.