Ein Anfängerfehler

Im Flur lag eine tote Kakerlake. Meine Frau bat mich, diese zu entfernen. Kein Problem, dachte ich und sagte ich. Leider stieß ich bei ihrer Entsorgung in unserem Arbeitsraum auf eine Schlange, der ich schlagartig meine ganze Aufmerksamkeit widmen musste. Es war eine große Schlange. In Tansania sind alle Schlangen per Definition ‚groß‘. Wenn ein Tansanier von einer Schlange berichtet, ist sie mindestens groß oder sehr groß. Schlangen werden im Allgemeinen und erst recht im Speziellen als so bedrohlich wahrgenommen, dass sie niemals als ‚klein‘ bezeichnet werden. Die Schlange in unserem Haus war ungefähr doppelt so groß wie der letzte Mitbewohner dieser Art (bedrohliche Artenvielfalt), aber genauer gesagt immer noch eher relativ groß.

Ich animierte meine Kinder sofort, mir etwas zum Schlagen zu bringen. Ich musste die Schlange ja im Blick behalten. Mit Lottis Fahrrad versuchte ich ihr den Fluchtweg abzuschneiden, weil ich Angst hatte, dass sie sich irgendwo verkriechen würde. Ich hatte mir geschworen, dass, wenn wir mal eine Schlange im Haus haben sollten, ich sie auf gar keinen Fall aus den Augen lassen würde. Da die schlagkräftige Unterstützung meiner Familie etwas auf sich warten ließ und die Schlange trotz (oder wegen) meiner Fahrradintervention in Bewegung blieb, war ich etwas unter Zugzwang. Deshalb tat ich genau das, was man in so einer Situation niemals tun sollte – ich ließ die Schlange kurz aus den Augen. Ich holte mir schnell aus dem Nebenraum eine Schaufel. Danach war die Schlange natürlich weg.

Noch blöder als eine Schlange im Haus zu haben ist, eine Schlange im Haus zu haben und nicht mehr zu wissen wo sie ist. Was für ein Anfängerfehler obwohl wir schon ein paar Jahre in Afrika leben. Es stellte sich bei mir ein gewisses Unbehagen ein, das ich auch in Worte fassen musste – Worte, die unsere Kinder nicht sagen dürfen. Cajus wurde kurz in den Gebrauch von Chemiewaffen (Insektenspray) eingewiesen, um der Schlange den für mich ungünstigsten Fluchtweg aus ihrem vermuteten Versteck zu blockieren. Dann zog ich eine Tonne unter dem Regal hervor.

Wenn man etwas Verlorenes wiederfindet, freut man sich. Ich war wirklich froh, die Schlange zu treffen. Was für ein Perspektivwechsel. Zuerst war ich geschockt, eine Schlange in unserem Haus zu sehen. Nachdem sie weg war, war ich regelrecht froh sie zu wieder zu sehen. Manche Dinge (und scheinbar auch Schlangen) muss man wohl erst verlieren, um sich beim Wiederfinden angemessen über sie zu freuen. Weitere Einzelheiten gibt es nicht zu berichten und wir haben auch leider kein Bild der Schlange, weil unsere Katze sie aufgefressen hat. Aber zum Beweis, dass wir eine Katze haben, können wir folgendes Bild einer anderen Begebenheit vorlegen.

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Katze (Felis silvestris) mit Puffotter (Bitis arietans)

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