Authentic Africa

Afrika ist ein faszinierender Kontinent. Die Menschen leben so ganz anders als in Europa und es ist interessant, möglichst authentische Einblicke in dieses Leben zu bekommen. Es ist erstrebenswert, nicht nur die Touristen-Version präsentiert zu bekommen, sondern das echte Leben kennenzulernen. Oder?

Wir würden sagen: „Kommt drauf an“. Während wir neulich im Land unterwegs waren, hatte sich unser anderthalbjähriger Knabe einen ausgewachsenen Magen-Darm-Infekt eingehandelt. So etwas ist schon zu Hause nicht lustig, aber auf Reisen ist das erst recht nicht vergnügungssteuerpflichtig. Ein Kind, das in einem fort erbricht, ist besonders im Auto nicht so super. Ausserdem lief ihm sein Stuhlgang in Nullkommanix bis in die Schuhe. Nach 4 Tagen war Junior so fertig mit der Welt, dass er dringend Infusionen brauchte. Obwohl unsere Hemmschwelle bzgl. hiesiger Gesundheitseinrichtungen groß ist, brachte ihn Sandra ins nächste Krankenhaus. Ich war leider nicht dabei, da ich mich zeitgleich um die kranke Schwiegermutter kümmern musste (Stirb langsam).

Eine Krankenschwester versuchte unserem dehydrierten Sohn eine Infusionsnadel zu legen. Ein ums andere Mal stach sie ohne Erfolg zu. Da mussten Mutter und Kind tapfer sein. Nach dem Zustechen wollte die Schwester die Nadel irgendwie loswerden und stach sie kurzerhand in die Matratze des Bettes. Das war schon nicht so ganz lege artes. Damit aber nicht genug. Ehe Sandra intervenieren konnte, zog die Schwester diese Nadel wieder aus der Matratze heraus und stach damit erneut in unseren Sohn hinein. Sandra war kurz davor wegzulaufen, Sanel blieb sowieso nur gegen seinen Willen. Aber uns blieben nicht viele Alternativen. Nach 8 Versuchen lief die Infusion endlich. Sandra lag mit Sanel in einem 30-Bett-Zimmer und war fast so fertig mit der Welt wie unser Sohn.

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Tansanische Krankenhausidylle

Sie wollte nach Ende der Infusion natürlich wieder nach Hause. Das wurde ihr aber verweigert. Sie sollte über Nacht bleiben, weil abends die Anmeldung nicht mehr besetzt war und sie deshalb nicht entlassen werden konnte. Das ist so üblich in tansanischen Krankenhäusern. Aber normalerweise stehen wir auf der anderen Seite. Diesmal durfte Sandra die Welt aus Patientensicht auskosten. Erst nach der Intervention einer befreundeten Ärztin, die wir am Tag zuvor kennengelernt hatten, durfte Sandra gehen. Sie musste sich verpflichten, auf jeden Fall am nächsten Tag zu einer bestimmten Zeit wiederzukommen, um weitere Medizin zu holen und die Formalitäten zu erledigen.

Am nächsten Morgen stand ich wie bestellt auf der Matte, aber es wusste natürlich niemand Bescheid. Ich sollte warten, bis der Apotheker kommt. Nach nicht einmal einer Stunde kam der freundliche Herr und hörte sich meinen Text an. Er sagte, dass er mir keine Medizin geben könne, weil er nicht an die Krankenakte rankäme. Das Archiv wäre am Sonntag abgeschlossen. Meine Güte, ich war doch extra deswegen herbestellt worden. Total authentisch. Als ich ihm erklärte, dass ich Arzt sei und meinem Sohn schon am Vortag die Medizin selber gespritzt hätte, drückte er mir die Packung netterweise ohne weitere Formalitäten in die Hand. Dankbar und um eine Erfahrung reicher zog ich ab.

Der Aufenthalt in dieser Heilanstalt war ein guter Einblick in die Lebensrealität von tansanischen Patienten. Bei allem was recht ist, aber es hätte ruhig etwas weniger authentisch sein dürfen.

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