Ein kleiner Schritt für die Menschheit

Das letzte Schuljahr in Tansania (2013/14) hatte einen sehr verpatzten Start gehabt, weil die Fernschulmaterialien nicht rechtzeitig ankamen. Die Sachen hingen damals wochenlang beim Zoll im Container-Hafen von Dar es Salaam fest, so dass wir zeitlich sehr in Verzug gekommen waren. Dieses Jahr sollte natürlich alles besser werden. Deshalb waren die Kartons der Fernschule schon Ende Mai verschickt worden. Erfreulicherweise kamen die Pakete nur vier Wochen später in Mbesa an. Nach dieser Rückmeldung war das Thema für uns erledigt. Wir hatten vor unserer Ausreise ja noch genug anderes zu tun.

Als Sandra mich letzte Woche im Krankenhaus mit der Hiobsbotschaft anrief, dass die Unterrichtsmaterialien für Cajus in den Paketen fehlten, hätte ich fast einen Anfall bekommen. Nicht schon wieder. Es blieben uns nur noch wenige Tage bis zum Schulbeginn und wir standen ohne Schulmaterial für Cajus da. Eine schnelle Lösung musste her. Also: Wütend werden, Zorn ablassen und irgendwie sinnvoll reagieren – und das alles möglichst noch vor dem nächsten Kaiserschnitt. Dankenswerterweise waren alle um Hilfe gebetenen Personen mehr als hilfsbereit.

Die Fernschule in Hamburg bestätigte uns umgehend, dass das Paket schon am 09.06. in Dar es Salaam ausgeliefert worden sei. Sie boten uns trotzdem einen sofortigen Neuversand an, was aber einige Wochen dauern würde. Das wäre nur die letzte Option. Das Paket kann doch nicht einfach so verschwinden – obwohl, könnte schon. Nicht darüber nachdenken. Die Suche im Postamt in Dar es Salaam blieb leider erfolglos. Nach einer Weile wurde dann nachvollziehbar, dass eine Spedition das Paket in den Süden transportiert hatte. Wenn da nicht einer der Transporter in den letzten Monaten ausgebrannt wäre. So ein Zwischenfall wäre zumindest eine plausible, wenn auch unbefriedigende Erklärung für das Verschwinden des Paketes. Zum Glück konnten wir klären, dass Cajus Schulmaterialien nicht in Flammen aufgegangen sein können. Als wir endgültig alle Hebel, d.h. noch mehr Leute, in Bewegung gesetzt hatten, tauchte das Paket plötzlich regelrecht zufällig mitten in Mbesa auf. Es hatte fast drei Monate sträflich vernachlässigt in irgendeinem Haus rumgestanden. Aber wir mussten erstmal die halbe Welt verrückt machen.

Was lernen wir daraus? Wiege dich erst in Sicherheit, wenn du wirklich in Sicherheit bist. Wir hätten schon im Juni darauf bestehen müssen, dass alle Pakete ausgepackt und überprüft werden. Dann hätte alles mit genug Zeitpuffer geklärt werden können. Dafür haben wir erfahren, wie wohltuend Hilfsbereitschaft ist. Vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten in Mbesa, Tunduru, Songea und Dar es Salaam.

Am Montag hat die Schule für unsere Kinder dann ganz planmäßig begonnen. Besonders für Sarafina war ihre Einschulung ein besonderer Tag.

 

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für einen Menschen!

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für einen Menschen!

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