Der frühe Vogel singt zu laut

Wir haben es geschafft. Nach 16 Stunden Reisezeit sind wir ziemlich aufgekratzt und etwas angekratzt im Gästehaus unserer Mission in Dar es Salaam angekommen.

Ein typischer Stadtbus mit genug Platz für alles Gepäck.

Mit einem typischen Stadtbus wurden wir vom Flughafen abgeholt.

Nachdem wir die drei großen Kinder im Bett hatten, verfiel Sandra beim Stillen von Sanel sofort in einen tiefen Schlaf. Ich durfte mich um unsere mitgebrachten Lebensmittel kümmern, die sehr gerne bei 4-8°C gelagert werden wollten. Dabei musste ich feststellen, dass einige Koffer die raue Wirklichkeit unserer Interkontinentalreise nicht so gut überstanden hatten.

Ich sah, wie effektiv sich ein Gorgonzolakäse verflüssigt und in einer Reisetasche verbreitet hatte. Die Stimmung sank. Klar, ich hätte den natürlich in eine käsedichte Umverpackung stecken sollen, aber seine stabile Verpackung schien mir vor der Abreise einen Kompromiss wert. Wir wollten mit Packen ja auch mal fertig werden. Zu allem Überfluss war auch ein gut gewässerter Schafskäse ausgelaufen. Ich wollte jemanden finden, den ich beschuldigen konnte, fand jedoch mitten in der Nacht niemanden. Immerhin hatte ich den Käse umsichtiger Weise in eine wasserdichte Plastiktüte gesteckt. Beim Packen mache ich keine Kompromisse. Die Tüte war nur leider, genau wie die Plastikschale auch, durch nicht sachgerechte Behandlung beschädigt worden. Meine Stimmung sank weiter. Also, alles auspacken, sortieren, abwischen, die sofort einsetzende Ameiseninvasion im Keim ersticken, die Tasche in der Badewanne auswaschen und zum Trocknen aufstellen. Am nächsten Tag wollten wir ja gut gelaunt in ein anderes Gästehaus umziehen, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Urlaubsreif war ich auf jeden Fall, als ich um 2 Uhr morgens unter unser Moskitonetz schlüpfte. Um zehn vor sieben wurden wir dann, immer noch urlaubsreif, von Kirchenglocken geweckt. Die frühen Vögel in der nahegelegenen Kirche sangen tansanische Kirchenlieder, die zwar schön, aber zu laut (weil hörbar) waren. Die Moskitos nerven, Cajus und Lotti haben sich eine Erkältung eingefangen und Sanel kümmert sich leider nicht um das Schlafbedürfnis seiner Eltern.

Bei allen Unannehmlichkeiten könnte man fast vergessen, dankbar zu sein – z.B. für alle Leute, die uns in den letzten Wochen so großzügig und vielfältig unterstützt haben. Das war wieder mal Spitzenklasse. Unseren hochsommerlichen ‚Frühjahrsputz‘, d.h. bis in die hintersten Winkel vordringen, den gesamten Besitz sortieren, wegschmeißen, einlagern oder einpacken, hätten wir sonst nicht geschafft. Besonders unsere Familien standen voll hinter uns und sind viele Extrameilen gelaufen. Dadurch, dass eine Freundin mit uns zusammen von Zürich nach Dar es Salaam geflogen ist, war der Flug super. Weil Mitreisende bereit waren, die Plätze zu tauschen, konnten wir sogar fast alle zusammensitzen. Wir wurden in Dar es Salaam freundlich erwartet und haben trotz vorgerückter Stunde noch ein tolles Essen bekommen. Und nicht zu unterschätzen, alle unsere Koffer sind angekommen! Um den Transport unseres Gepäcks nach Mbesa kümmert sich ab jetzt jemand anderes während wir noch ein paar Tage in einem Schweizer Gästehaus die Seele baumeln lassen. Wir haben ein schönes Zimmer direkt am Pool. Wir genießen das gute Essen und die Sonne und waren schon bei Freunden eingeladen. Nicht zu vergessen das Fahrrad, das wir bei dieser Gelegenheit für unsere Kinder geschenkt bekommen haben.

Wir sagen Danke! Ärgernisse sind nur Kulisse für echte Dankbarkeit.

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