Da sollten wir uns eine Scheibe von abschneiden.

Letzte Woche musste ich leider einem Patienten den Unterschenkel amputieren. Die Infektion des Fußes war so weit fortgeschritten, dass die Amputation unvermeidbar war. Der Patient bekam eine Spinalanästhesie (rückenmarksnahe Betäubung) und war deshalb während der OP bei Bewusstsein. Unsere tansanische Anästhesistin munterte den Patienten auf, indem sie anfing, mit ihm zu singen. Als beim Durchsägen des Knochens ein mehrstimmiges Halleluja durch den Saal schallte, fühlte ich mich dem Himmel ein bisschen näher als ich angesichts der Situation erwartet hätte. So etwas kann einem wohl nur in einem Missionskrankenhaus passieren. 🙂 Wie kann man trotz einer Beinamputation noch Halleluja singen? Wir würden gerne lernen, trotz unserer Probleme dankbar zu bleiben. Wir haben soviel Gutes in unserem Leben wofür wir Gott und anderen Menschen dankbar sein können. Auch wenn wir in einem Bereich Schwierigkeiten oder Leid erleben, mindert das nicht den Grund zum Danken für alle anderen Sachen. Trotzdem neigen wir dazu, undankbar zu werden, wenn uns der Wind ins Gesicht bläst. Was Dankbarkeit trotz schwieriger Umstände angeht, können wir uns von vielen Patienten hier in Mbesa eine Scheibe abschneiden – es muss ja nicht immer gleich das ganze Bein sein.

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