Understatement

Vor kurzem sah ich vor dem Kreißsaal eine stillende Frau sitzen. Im Vorbeigehen fragte ich beiläufig, ob das Baby gut trinke. Die Mutter meinte: „Es trinkt nicht so gut“, was ein echtes Understatement war. Das Kind, ein Frühchen mit 1300g war grau im Gesicht und lag schnappatmend an der Brust der Mutter. Ich nahm das Kind sofort mit auf den Kinderreanimationsplatz und fing an, es zu beatmen. Was für eine göttliche Fügung dachte ich. Da komme ich zufällig an dem Kind vorbei und rette ihm so das Leben.

Tatsächlich besserte sich der Zustand des Kindes unter meinen Bemühungen, aber als ich später noch einmal nach dem Kind schauen wollte, lag es tot unter der Wärmelampe. Da wäre das Kind doch besser in den Armen seiner Mutter gestorben. Sie hätte sich zwar weiter gewundert, dass ihr Kind so schlecht trinkt, aber für das Kind wäre es weitaus friedlicher gewesen. Es ist eine echte Kunst zu unterscheiden, wann man alles geben muss und wann man sich besser zurückhält.

Intensivtherapie in Mbesa: Sauerstoffkonzentrator und Wärmelampe (hier mit einem anderen Kind)

Intensivtherapie in Mbesa: Sauerstoffkonzentrator und Wärmelampe (hier mit einem anderen Kind)

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