Astreiner Götzendienst

Neulich bin ich zu meinen Kindern ins Kinderzimmer gegangen. Sie spielten mit Playmobil: die Figuren opferten einem Stoffhuhn verschiedenste Gegenstände.

ein göttliches Huhn

ein göttliches Huhn

Auf meinen Einwand, dass sie Götzendienst spielen würden, behaupteten meine Kinder steif und fest, dass dieses Huhn in ihrem Spiel der echte, richtige Gott sei. Wie kommen sie bloß auf so etwas? Wir haben ihnen das nicht beigebracht. Allerdings wachsen unsere Kinder in einer animistisch geprägten Kultur auf, wer weiß was sie da so alles aufschnappen.

Was im Spiel unserer Kinder noch als kuriose Spielidee betrachtet werden kann,  wirft aber eine interessante Frage auf: Darf man sich aussuchen, wer der echte Gott ist?

Es ist eine große Errungenschaft, dass sich heutzutage viele Menschen frei zu ihrem Glauben bekennen dürfen, ohne Benachteiligungen in Kauf nehmen zu müssen oder ihr Leben zu riskieren. Das halten wir für ein unabdingbares Recht jedes Menschen. Die Freiheit, dass jeder selbst entscheiden darf, was er glaubt, ist nicht verhandelbar. Leider haben sehr viele Menschen dieses Vorrecht immer noch nicht.

Aber von den politisch-religiösen Rahmenbedingungen mal ganz abgesehen: Was sagt eigentlich Gott dazu, wenn sich jeder aussuchen darf, was er glauben will und Gott am Ende zu einem willkürlich zusammenstellbaren Konstrukt oder seine Existenz ganz geleugnet wird?

Es hätte schon etwas Bestechendes, wenn man sich seinen Gott selber basteln könnte. Das, was einem bei der einen Religion gar zu schwer im Magen liegt, lässt man einfach weg und was bei anderen Glaubensrichtungen ganz hip ist, fügt man noch hinzu. Oder man glaubt an irgendetwas undefinierbar Amorphes. Es ist ja auch wahr: manches, was bibeltreue Christen für wahr halten, ist schon eine echte Zumutung für den Verstand. So etwas könnte man dann als aufgeklärter, moderner Mensch weglassen. Oder man spart sich die Sache mit einem Gott komplett. Dann hat man mit dem ganzen religiösen Kram nichts mehr zu tun und macht sich selbst zur letzten Instanz. Es wäre natürlich sehr reizvoll, wenn über einem niemand mehr steht – der wahrhaft unabhängige Mensch, dem niemand mehr ins Leben rein redet und der niemandem Rechenschaft schuldig wäre. Man könnte sich geradezu willkürlich aussuchen, ob man überhaupt oder an was für einen Gott man glaubt. Der Weg ist das Ziel und Hauptsache man fühlt sich wohl mit seinem handmade-Gott bzw. Weltbild. Schön dabei ist, dass man sich die schönsten Dinge zusammenbasteln kann und wenn es einem beliebt auch nur um sich selber drehen kann.

Sollte Gott in Wirklichkeit aber nicht nur ein Produkt unserer Vorstellung, sondern ein von menschlichen Wünschen und irdischer Vorstellungskraft unabhängiges Wesen sein, wird es etwas spannender. Denn dann könnten wir uns ihn nicht aussuchen, sondern müssten ihn nehmen wie er ist. Ein Gott, der diesen Namen auch verdient, müsste sich wohl kaum an den Wünschen der Menschen, oder dem beschränkten menschlichen Verstand orientieren. Der wäre einfach so wie er ist, selbst wenn es eine Zumutung für fortschrittlich sein wollende Menschen wäre. Der könnte sich, wenn er wollte, von einer Jungfrau zur Welt bringen und in eine Krippe legen lassen. Der könnte Wasser zu Wein verwandeln und so verrückte Sachen sagen wie: „Liebt Eure Feinde…“, oder sich auch ans Kreuz schlagen lassen, wenn er wollte. Den könnte man nicht an die politisch korrekte Leine legen und auch nicht für den religiösen Gebrauch zähmen. Dann hätte man nicht die Option, seine Existenz zu verneinen. Gott wäre einfach da, ob es uns passt oder nicht, und das hätte erhebliche Konsequenzen für uns. Dann wäre nämlich der Weg der Weg und das Ziel das Ziel. Und wenn man auf dem falschen Weg ist kommt man nicht zum Ziel.

Interessanterweise ist nichts weniger der Kern der christlichen Botschaft. Jesus behauptet nämlich tatsächlich, er sei der einzige Weg zu Gott. Was für eine dreiste und auch intolerante Behauptung. Allerdings hat er seinen Anspruch eindrucksvoll mit seiner Auferstehung von den Toten untermauert – wenn das denn wirklich so passiert ist.  Es hängt also alles daran, ob Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden ist. Der Apostel Paulus bringt es trefflich auf den Punkt: „ Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist es sinnlos, dass wir das Evangelium verkünden, und sinnlos, dass ihr daran glaubt. […] Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen“ (1. Kor 15,12-19). Ein Gott, der nur in unserer Vorstellung existiert, oder ein auferstandener Jesus, der nicht wirklich, sondern nur in der Verkündigung lebt, ist erbärmlich. Mit einer solchen Religion können wir nichts anfangen; lächerlich, wenn man sich an so etwas festhalten möchte. Das wäre Opium fürs Volk. Dann könnte man das ganze Christentum abhaken. Wenn Jesus aber tatsächlich von den Toten auferstanden und wirklich das ist, was er zu sein behauptet? Dann wäre er der einzige Weg. Es gäbe keine Alternative.

Beweise für Jesu Auferstehung im klassischen Sinne gibt es natürlich keine  – schon gar keine wissenschaftlichen, denn wie will man etwas mit wissenschaftlichen Methoden einfangen, dass die methodischen Grenzen weit übersteigt?

Um sich der Sache mit Gott wirksam zu nähern, muss man sich auf fremdes Terrain vorwagen. Aber so schwer ist es nicht. Im Grunde muss man Gottes Existenz nur prinzipiell für möglich halten und die Möglichkeit, dass Jesus tatsächlich auferstanden sein könnte, nicht kategorisch ausschließen. Dann könnte man Fakten, Ereignisse, Berichte oder eigene Erlebnisse unvoreingenommener deuten und würde vielleicht viele Anhaltspunkte für das Wirken eines lebendigen Gottes finden. Gott wird sich den Menschen nicht beweisen. Das wäre eines echten Gottes nicht würdig. Denn dann würden wir Menschen uns zu Richtern aufspielen, die nach den vorgelegten Beweisen über Gottes Echtheit urteilen. Vielmehr wird sich Gott dem ehrlich Suchenden offenbaren.

Wenn man nach etwas so Unvorstellbarem wie einem lebendigen Gott sucht, muss man sich bewusst sein, dass man nach etwas Unbekanntem sucht. D.h., man sollte ausreichend unvoreingenommen und offen sein. Wahrscheinlich muss man seine vorgefassten Vorstellungen von Gott erst einmal allesamt über Bord werfen. Vielleicht muss man sich mutig in eine Richtung vorwagen und zurückrudern, wenn man so nicht weiterkommt. Wie unsere Kinder, die jetzt mal ein totes Huhn zu Gott gemacht haben und merken, dass das mit der Realität nichts zu tun hat. Jesus hat während seines Lebens hier auf der Erde beeindruckend vorgelebt, dass Gott wirklich nicht kleinlich mit fehlerhaften Menschen umgeht, wenn sie aufrichtig nach ihm suchen. Angesichts der überdimensionalen Bedeutung, die seine Existenz für uns hätte, sollte man die Suche nach ihm nicht zu früh aufgeben.

Für uns ist heute schon klar: auch wenn die Weihnachtsgans göttlich schmecken sollte, ist sie nicht anbetungswürdig. Vor dem Kind in der Krippe scheint uns der Kniefall dagegen angebracht.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs eine wunderbare Adventszeit und frohmachende Weihnachtstage.

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