Grüne Kacheln? Alles klar.

In der letzten Woche ging es uns ziemlich prima. Wir durften trotz Ärztemangel in Mbesa Urlaub machen und haben uns fluchtartig ins Vergnügen gestürzt. Unser Reiseziel war Bagamoyo, ein sehr geschichtsträchtiger Ort. In Bagamoyo kreuzten sich jahrhundertelang wichtige Handelsrouten von Elfenbeinhändlern, Jägern und Sklavenfängern, so dass es sich schon früh um eine relativ gut entwickelte Stadt handelte. Forscher und Abenteurer wie Burton, Speke oder Stanley starteten deshalb mit ihren Afrika-Expeditionen im 19. Jh. in Bagamoyo und die Reisen des berühmten Dr. David Livingstone fanden dort ein Ende, als sein Leichnam in einer noch heute stehende Kirche auf den Rücktransport nach England wartete.
Auch die christliche Mission (Ost-)Afrikas nahm in Bagamoyo ihren Anfang. Nachdem sich die ersten christlichen Missionare niedergelassen hatten, bemühten sie sich sehr um das Ende der Sklaverei, da Bagamoyo im 19. Jh. einer der bedeutendsten Umschlagplätze des Menschenhandels war. Der Name Bagamoyo lässt sich wohl von den Suaheli-Worten „ bwaga moyo“, „Lege dein Herz nieder“ herleiten. Für die Sklaven bedeutete die Ankunft in der Stadt nämlich, dass sie ihr Herz mit allen Hoffnungen begraben konnten.
Nicht zuletzt war Bagamoyo kurzzeitig die Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika, wovon noch etliche Bauten zeugen.

Nach Ankunft in unserem Hotel, stürmten unsere Kinder sofort zum Pool. Leider meldeten sie grünes Wasser. Auf unsere Frage, wann der Pool mal gesäubert werden würde, bekamen wir zur Antwort, dass die Farbe von den grünen Kacheln käme. Das ist mittlerweile ein running gag bei uns, da die Kacheln schön blau-weiss waren und man sicherlich kein staatlich geprüfter Bademeister sein muss, um algiges Poolwasser zu erkennen.

Alles im grünen Bereich!

Auch andere Begebenheiten erinnerten uns daran, dass wir uns immer noch in Afrika befanden. Von der langen Menükarte im Restaurant waren leider nur zwei Gerichte bestellbar, allerdings war immerhin doppeltes Besteck gedeckt. Dass wir morgens vom Gärtner geweckt wurden als er begann den Rasen vor unserem Zimmer zu mähen, oder wir vom Zimmerservice aus den Betten geklopft wurden, muss wahrscheinlich als kulturelles Missverständnis gedeutet werden. Worauf wir mit Unverständnis bis Raserei reagierten, waren wohl eher freundliche Gesten der besonderen Fürsorge. Da wir die meiste Zeit die einzigen Gäste im Hotel waren, brauchten wir uns natürlich nicht zu wundern, dass beim Frühstück mitunter 5 Azubis für Hotelfachkunde um unseren Tisch herumstanden. Es scheiterte nicht an mangelnder Einsatzbereitschaft, aber normalerweise würden wir unsere Kaffeetassen gerne leertrinken, bevor sie eifrig abgeräumt werden. Andererseits gibt es schlimmeres im Leben, als sich eine zweite Tasse Kaffee zu besorgen, so dass wir alles in allem sehr dankbar sind, dass wir uns so einen Urlaub leisten konnten.

Unser Kulturprogramm war nicht sehr aufwendig. Ein moslemischer Friedhof der ersten Ansiedlung aus dem 13. Jh., ein bisschen Sklaven- und Missionsgeschichte und ein paar alte deutsche Gemäuer standen auf dem Programm. Als wir schlussendlich einen Friedhof der ehemaligen kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika besuchen wollten, platzte es aus Sarafina (4J.) heraus: “Warum müssen wir immer Gräber anschauen?“ Nach dieser ziemlichen normalen Reaktion unserer Jüngsten, schockte uns aber die Antwort von Carlotta (6J.). Im aufrichtigen Versuch, ihre kleine Schwester zu motivieren, meinte sie begeistert: „Weil es toll ist!“

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