Mission impossible – zerstört Mission Kultur?

Ostern ist zwar schon vorbei, aber die künstlerische Nachbearbeitung hält noch an. Unsere ältere Tochter hat anlässlich des Osterfestes ein erstaunlich detailreiches Bild gemalt. Man sieht Jesus am Kreuz und darunter Maria und Johannes. Dass Jesus am Kreuz trotz der martialischen Behandlung lächelt, ist ihre Interpretation im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Darin erkennt man aber, dass unsere Tochter den Kern der „Frohen Botschaft“ verstanden hat.

Frohe Ostern

Frohe Ostern

Den aufmerksamen Betrachter muss allerdings irritieren, dass der Osterhase gerade diesen Ort für seine Eierlegerei ausgewählt hat.

Für viele Menschen bekommt Ostern heutzutage erst durch Eier und Hasen seine Bedeutung. Man könnte meinen, dass der Einzelhandel das Osterfest vor dem Vergessen gerettet hat. Von unserem christlichen Standpunkt aus handelt es sich aber eher um eine feindliche Übernahme. Gerade an den Beispielen Ostern und Weihnachten kann man sehr anschaulich sehen, wie sich unsere deutsche Kultur verändert und wir davon beeinflusst werden. Es ist erstaunlich, wie sich sogar ganz elementare Bestandteile der abendländisch-christlichen Kultur in wenigen Jahrzehnten verändern und in Form von Osterhase und Weihnachtsmann sogar bis zur Unkenntlichkeit entstellt werden.

Auch in Tansania verändert sich die Kultur rasant. Wir machen uns Gedanken welchen Einfluss wir als deutsche Mission evtl. dabei haben, zumal manche Menschen behaupten, dass Mission Kultur zerstöre. Dieser Vorwurf setzt aber voraus, dass die Menschen in fremden Kulturen sozusagen in einer heilen Welt mit spannungsfreien Sozialstrukturen leben, die dann die Missionare zerstören. Bei genauerer Betrachtung gibt es aber in den Kulturen vieler afrikanischer Stämme und Volksgruppen ein sehr von Angst durchsetztes Weltbild, das z.T. auch menschenverachtende Praktiken nach sich zieht (z.B. Geisterglaube, Menschenopfer, weibliche Genitalverstümmellung etc.). Von idealen Zuständen zu sprechen, wäre wohl falsch.

Jede Kultur befindet sich in einem ständigen Veränderungsprozess. Es gibt viele Faktoren, die eine Veränderung bewirken, u.a. spielen Globalisierung, Medieneinfluss und der technische Fortschritt eine sehr große Rolle. Die Frage muss also sein, welcher Einfluss welche Veränderungen bewirkt und wie man diese dann beurteilt.

Wenn Missionare z.B. in eine von Angst geprägte Kultur eine Befreiungsbotschaft bringen und deshalb keine Menschenopfer mehr gebracht werden, keine Racheakte oder Ehrenmorde mehr nötig sind, sondern Versöhnung möglich wird, ist das keine Zerstörung von Kultur, sondern eine wünschenswerte Veränderung. Man würde ja auch eine durch Aufklärung und Gesundheitserziehung bewirkte Verhaltensänderung nicht als Zerstörung von Kultur bezeichnen, obwohl sie diese verändert. Dass die Beschneidung von Mädchen, die Tötung von Zwillingskindern oder die Verfolgung von Albinos fest in einer Kultur verankert sind, macht sie deshalb nicht erhaltenswert. Und auch bei den Themen Gleichberechtigung von Mann und Frau, Wertschätzung von Kindern und Achtung vor dem Leben darf in vielen Kulturen gerne noch nachgebessert werden.

Leider ist im Namen des Christentums und der Mission in der Vergangenheit auch viel Unheil über die Welt gebracht worden. Nichts könnte dem Anliegen Jesu mehr widersprechen als gewaltsame Mission, Machtspiele und religiöse Manipulation oder Unterdrückung. Dafür ist Schmähkritik gerechtfertigt.

Unser Anspruch ist, dass wir die Kultur unseres Gastlandes besser verstehen und achten lernen. Auf gar keinen Fall wollen wir den Menschen hier unsere deutsche Kultur bringen, sondern ihnen mit Herz und Hand die Wertschätzung Gottes ausdrücken. Das Schöne an der Botschaft von Jesus Christus ist, dass sie kulturunabhängig ist und in jede Kultur hinein übersetzt werden kann. Die Worte, Bilder und Symbole können in jeder Kultur anders sein, aber die Kernbotschaft ist überall gleich passend. Wo diese unbedingte Annahme und Wertschätzung des einzelnen Menschen in einer Gesellschaft zum Tragen kommen, werden die zerstörerischen Elemente einer Kultur zurückgedrängt und der erhaltenswerte Teil der Kultur gestärkt.

Wir halten es für sehr erstrebenswert, wenn die Osterbotschaft von Vergebung und Versöhnung Menschen, Gesellschaften und Kulturen verändert. Von uns aus dürfen auch Ostereier unterm Kreuz liegen, müssen aber nicht.

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