Spülmaschine?

Als ich jetzt mit meinen Kinder zusammen gespielt habe, sollte ich ihnen eine Küche malen. Als gutbürgerlicher Mitteleuropäer habe ich natürlich eine gepflegte Einbauküche gezeichnet. Auf die Frage, ob auch eine Spülmaschine dabei sein solle, fragte mich meine 6-jährige Tochter: „Was ist eine Spülmaschine?“ Ein sechsjähriges Kind, dass nicht weiss was eine Spülmaschine ist – wie unzivilisiert! Wir leben jetzt sein 1½ Jahren im Busch und eine Spülmaschine haben wir seitdem weder gesehen noch vermisst. Kein Wunder, dass so unmassgebliche Dinge aus der Erinnerung gelöscht werden. Trotzdem musste ich aufpassen nicht zu lachen.

Nicht auszudenken, wie einmal die Reintegration unserer Kinder in die deutsche Kultur ablaufen wird. Bei Zebrastreifen werden sie wohl nicht zuerst an die in Deutschland weit verbreitete Art, eine Strasse zu überqueren denken. Das ist zwar ein banales Beispiel, aber so ähnliche Probleme können Third Culture Kids (TCK) haben. TCK’s sind Kinder, die nicht in dem Kulturkreis ihrer Eltern aufgewachsen und massgeblich geprägt worden sind. Da sind Missverständnisse vorprogrammiert. Unsere Kinder sind zwar Deutsche aber sie erleben eine ‚tansanische Kindheit‘; trotzdem sind sie keine Afrikaner. Die Frage „Wer bin ich?“ wird für sie vielleicht einmal nicht so leicht zu beantworten sein. (Genauso hat es bei den vielen Russlanddeutschen sicherlich nicht zur Identitätsfindung beigetragen, wenn sie dort als ‚Faschisten‘ beschimpft und in Deutschland als ‚die Russen‘ begrüsst wurden.)

TCK’s haben grosse Stärken, in einer globalisierten mobilen Welt allemal. Wir hoffen, dass sie diese Stärken einmal voll auspielen werden können. Aber natürlich haben TCK’s auch ihre Schwächen; vor allem die Frage, wo man sich zuhause fühlt, ist nicht so leicht zu beantworten. (Be)Sonderlinge, wie in Afrika aufgewachsene deutsche Kinder nun mal sein werden, können je nach sozialer Umgebung einen extrem harten Stand haben. Wer die in einer Gruppe geforderten Kenntnisse, Fähigkeiten oder Statussymbole nicht bieten kann, oder ein ausländisches Sozialverhalten zeigt, bleibt leicht eine Randfigur. Natürlich machen wir uns manchmal Sorgen, wie schwer es unsere Kinder einmal haben könnten und ob sie in Deutschland später Aussenseiter sein werden. Aber dafür ist im Moment eigentlich noch nicht der richtige Zeitpunkt. Ein weiser Mensch hat einmal gesagt: „Sorgt Euch nicht um den morgigen Tag. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Last hat“. Recht hat er.  In der Bibel habe ich heute folgendes gelesen: „So spricht der Herr, der heilige Gott: Wenn ihr euch Sorgen um die Zukunft macht, dann kommt damit zu mir! Ich weiss doch, wie ich mit meinen Kindern und mit all meinen Geschöpfen umgehen muss. Vertraut euch mir an! Ich habe die Erde gemacht; und die Menschen, die darauf leben, habe ich geschaffen. Eigenhändig habe ich den Himmel ausgespannt wie ein Zelt und jedem einzelnen Stern seinen Platz zugewiesen.“Jesaja 45, 11-12 

Das ist in Anbetracht der Anzahl und Grösse der Sterne eine ziemlich starke Aussage. Wer’s glaubt, wird seelig – und getröstet. Deshalb werden wir jetzt erstmal weiter die tansanische Sonne auf uns herabscheinen lassen und ein deutsches Lächeln aufsetzen. 🙂

P.S.: Spülen ohne Spülmaschine ist kein Problem.

Afrika - ohne Kinderarbeit undenkbar

Afrika – ohne Kinderarbeit undenkbar

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