Paradigmenwechsel

Dieses Wochenende kam es zu einem unschönen Zwischenfall in unserem Garten. Ein Nachbarhund hatte einen Kaninchenstall geöffnet und unseren „Krümel“ liquidiert. Die Wut auf diesen raubgierigen Hund, der jetzt schon das zweite unserer Kaninchen auf dem Gewissen hat, ist gross.Wir konnten ihm die Beute zwar abnehmen und ihn mit Schimpf und Schande vom Hof jagen, aber das Kaninchen blieb tot. So weit so schlecht, aber es ging noch weiter.

Sarafina mit Krümel, März 2012

Ich wurde umgehend aufgefordert, das Kaninchen küchenfertig zu zerlegen! Ich betone, dass ich auf Aufforderung gehandelt habe und dieser Paradigmenwechsel auf Betreiben meiner Familie zustande kam (noch vor kurzem bin ich nur für die bloße Erwähnung einer nicht ganz ordnungsgemässen Kaninchenbeerdigung mit demonstrativem Entsetzen gestraft worden).

Unsere eigenen und auch die einheimischen Kinder haben mitgeholfen und sehr aufmerksam zugeschaut, wie ich dem Kaninchen das Fell über die Ohren zog. Jede Entfernung eines Körperteils wurde mit etwas morbidem Schaudern verfolgt und kommentiert. Wie vielleicht schon einmal erwähnt, sind Anatomiekenntnisse, eine Metzgerlehre bzw. jagdliche Grundfertigkeiten sehr hilfreich, wenn man darüber nachdenkt, ins ländliche Afrika auszuwandern. Nach ein bisschen Anatomieunterricht wurden die Innereien zu ungleichen Teilen mit unserem Hund geteilt (wir die Leber, er den Rest). Zwischendurch haben die Kinder immer wieder aufrichtig beteuert, wie arm unser Krümel doch jetzt dran ist. Immerhin hatten sie vor einem Jahr seine Geburt miterlebt und ihn wirklich gern gehabt, weil er sehr zahm war. Das hat sie aber nicht daran gehindert, die Leber beim Abendbrot genussvoll zu verspeisen. O-Ton von Lotti und Cajus: „Krümel schmeckt gut“. Im Ernstfall geht Liebe bis durch den Magen.

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