Advent, Advent ein Dieb verbrennt

Eine Einheimische erzählte mir letzte Woche angeregt irgendetwas, das sie fröhlich stimmte. Ich verstand nicht genau was sie meinte und dachte, sie freut sich über den Regen und dass jetzt die Pflanzzeit beginnt. Deshalb antwortete ich so etwas wie „Das ist ja gut.“ So eine Antwort passt eigentlich immer. Später klärte mich meine Frau darüber auf, dass sie von einem Fall von Lynchjustiz der vergangenen Nacht berichtet hatte. Ein dorfbekannter Dieb war mit Diebesgut erwischt und verbrannt worden. Ich widerrufe meine Zustimmung.

So etwas ist hier natürlich gesetzlich streng verboten, aber unsere Empörung und Unverständnis scheinen trotzdem wie aus einer anderen Welt zu sein. Das ist ein richtiger Kulturschocker. Es ist schon komisch, man darf den Leuten hier nicht ordentlich die Meinung sagen wenn sie etwas falsch gemacht oder einen dreist betrogen haben. Denn das Schlimmste, was man jemandem zufügen kann, ist, dass er sein Gesicht verliert. Andererseits darf man einen Menschen anzünden, wenn der Damm mal gebrochen ist, und das Entsetzen hält sich in Grenzen. Vor diesem Hintergrund wäre die alttestamentliche Anordnung: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ eine richtig gute Regelung, weil wenigstens die Verhältnismässigkeit gewahrt bliebe. Aber weder das Alte  und schon gar nicht das Neue Testament sind die Richtschnur des Mobs.

Wenn man bedenkt, dass auch im christlichen Europa lange Zeit Menschen verbrannt worden sind (sogar ganz offiziell auf Geheiß der Kirche), darf man sich eigentlich über nichts mehr in dieser Welt wundern. Worum ging‘s nochmal bei Weihnachten? Da war doch was mit Frieden auf Erden – schön wär’s und bitter nötig. Vielleicht hat uns das Christkind doch mehr zu geben als die Geschenke zu Weihnachten. Wir plädieren dafür, die Weihnachsbotschaft ernst zu nehmen und die Lösung für unsere persönlichen und gesellschaftlichen Probleme in der Krippe zu suchen. Das haben weise Menschen schon immer getan. In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern unseres Blogs eine friedliche Adventszeit mit freier Sicht auf den richtigen Stern.

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