Geburtshilfe – nicht leicht gemacht.

Nach meiner Einarbeitung auf der Männerstation ging es gleich weiter in den Kreisssaal. Kinder sind ja auch bisher schon ohne meine Hilfe gesund zur Welt gekommen und daran wollte ich durch mein Engagement auch nichts ändern. Egal ob ganz natürlich, mit Saugglocke oder per Kaiserschnitt – letztes Jahr sind über 1500 Kinder im Mbesa Mission Hospital zur Welt gekommen (davon auch einige durch meine bescheidene internistische Hilfe).

Eine Frau kam mit ihrer siebten Schwangerschaft in einem meiner Nachtdienste ins Krankenhaus. Leider lebte nur noch eins von ihren sechs Kindern. In der geburtshilflichen Anamnese werden die Frauen hier standardmässig gefragt, wieviele ihrer Kinder noch leben; dass alle noch leben ist eher die Ausnahme. Auch diese Geburt dauerte wohl schon zu lange, so dass ihr Kind bereits tot war, als die Frau im Krankenhaus ankam. Nach der Geburt kam es dann zu heftigen Nachblutungen, ein Risiko, das bei Mehrgebärenden zunimmt. Da die Blutung nicht zu stoppen war, entschlossen wir uns zu einer Not-OP (Entfernung der Gebärmutter), was gut gelang. Am Folgeabend verstarb die Patientin leider dennoch. Die Müttersterblichkeit ist hier noch viel zu hoch.

Einige Tage später kam es bei einer Frau in ihrer achten Schwangerschaft zu einem Abfall der kindlichen Herztöne. Den Kaiserschnitt schon im Visier haben wir uns wegen der gut voranschreitenden Geburt für eine Vacuumextraction (Saugglocke) entschieden. Es handelte sich wohl um eine vorzeitige (partielle) Plazentalösung und auch hier kam es zu einer schweren Nachblutung, die aber gestillt werden konnte. Mutter und Kind sind wohlauf – eine Hausgeburt hätten wohl beide nicht überlebt.

Wir erleben hier fachlich und emotional die ganze Bandbreite der Geburtshilfe – die Lernkurve geht nach oben, die Emotionen rauf und runter.

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