Kopfhautbelüftung – Minimalziel erreicht

Seit letzter Woche ist Cajus ein Schüler der Deutschen Fernschule in Wetzlar. Während der Zeit des Sprachunterrichtes in Nanjoka übernehmen wir selber die Funktion des „Lehrers“, in Mbesa wird es dafür später Lernhelfer geben. Cajus freut sich, dass ihn seine Eltern unterrichten. Wer hätte gedacht, dass wir einmal mit unserem Sohn die auditive Differenzierung oder akustische Diskriminierung üben und damit sein phonologisches Bewusstsein trainieren würden? Aber das Fernschulmaterial ist so gut, dass wir damit spielend zurecht kommen. Etwas überfordert waren wir nur, als wir uns anfangs für eine Schriftart entscheiden mussten, die Cajus erlernen soll. Times New Roman oder Arial wäre uns noch geläufig gewesen, aber wir mussten uns zwischen der Lateinischen Ausgangsschrift, der Schulausgangsschrift und der Vereinfachten Ausgangsschrift entscheiden. Das gehörte leider nicht zu unserer Allgemeinbildung, haben wir aber regeln können (Cajus erlernt die Lateinische Ausgangsschrift).
Unsere Tage sind gut gefüllt. Morgens haben wir vier Unterrichtsstunden Suaheli und zwei Stunden unterrichten wir Cajus. Nachmittags gibt es nochmal zwei Stunden Suaheli und sonst Kinderbespassung. Die Kinder machen die Umstellungen eigentlich ganz gut mit. Sie spielen viel draussen, tolerieren die Fremdbetreuung gut und üben auch schon ein bisschen Suaheli. Aber sie vermissen ihre Grosseltern und reden noch viel von Deutschland.

Während der teilweise turbulenten Vorbereitungsphase in Deutschland war mir eine kleine Unachtsamkeit unterlaufen. Ich hatte kurz vor der Ausreise die letzte Möglichkeit zu einem Friseurbesuch arglos verstreichen lassen, so dass jetzt unweigerlich ein Haarschnitt fällig war. Da uns von den hiesigen Fachleuten abgeraten wurde, machte sich Sandra mit meinem Langhaarschneider ans Werk. Das hatte bei Cajus schon ganz gut geklappt. Bei mir machte
Sandra aber plötzlich ein Gesicht, als hätte sie bei einem Automatik-Wagen die Kupplung getreten. Sie hatte bei einer kritischen Haarpartie statt der längsten die kürzeste Haarlänge eingestellt. Das Gelächter war gross und Lotti meinte schon mehrfach: „Du siehst so lustig aus“. Wenn’s zur allgemeinen Erheiterung beiträgt, ist das Minimalziel eines Haarschnitts wohl erreicht. Wegen der schmalen Bandbreite unserer Internetverbindung ersparen wir allen das belastende Bildmaterial.

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