Hau‘ den Lukas

Nach kurzem Zwischenaufenthalt in Dar es Salaam ging es weiter nach Mbesa. Die Cessna 208 Caravan war leider zu klein für unser ganzes Gepäck, so dass wir immer noch auf ein paar Koffer warten, aber der zweistündige Flug war ruhig. Der „Flughafen“ in Mbesa ist zwar klein, dafür war dort grosser Bahnhof in schwarz-weiss. Wir wurden überaus freundlich empfangen und durften unser zukünftiges Haus mal anschauen. Es ist jetzt nicht topmodisch eingerichtet und es gibt noch Potential nach oben, aber nach einer Grundüberholung werden wir uns dort wohlfühlen. Nach einem Mittagessen bei unseren baldigen Nachbarn, die noch netter sind als ohnehin erwartet, ging es noch eine Stunde weiter zu unserer Sprachschule nach Nanjoka. Unser Fahrer Lukas hat den Geländewagen ganz schön über die Sandpiste gescheucht. Wenn es Geschwindigkeitsbegrenzungen gegeben hätte, wäre ich froh um deren Einhaltung gewesen. Er meinte, dass die meisten Angst hätten wenn er fährt. Sandra und Tamara (eine Abiturientin, die in der ersten Zeit unsere Kinder betreuen wird, während wir die Sprache lernen ) sassen vorne und mussten sich fast übertreffen zu sagen, dass sie keine Angst hätten. Meine Entscheidung mit den Kindern hinten zu sitzen, hatte ich schon nach wenigen Kilometern bereut und hatte die ganze Fahrt Angst –
vor allem davor, die Kontrolle über meinen Mageninhalt zu verlieren. Ausserdem versuchte ich jederzeit sicherzustellen, dass unsere Zweijährige, die mangels Gurt nicht angeschnallt war, nicht bei jeder Bodenwelle quer durchs Auto purzelte. Die Kinder fanden’s cool und die Mädels sind am Ende sogar eingeschlafen, mir war allerdings mehr nach ‚Hau den Lukas‘ zumute. Jetzt leben wir uns gerade in Nanjoka ein.
Die Kinder erobern das Gelände hier mit der nötigen Vorsicht. Am ersten Tag stürmten sie zurück ins Haus und verschanzten sich hinter der Tür, weil sie das Rascheln einer Schlange gehört hatten. Sie befürchteten, dass die Schlange sie vergiften wolle. Als mutiger Familienvater bin ich der Sache gleich auf den Grund gegangen: es waren die Hühner des Nachbarn, die glücklicherweise keines unserer Kinder schädigen wollten. Haben wir unseren Kindern vielleicht etwas zu viel von den giftigen Tieren in Afrika erzählt? Die Temperaturen sind aktuell sehr angenehm, der Winter hier ist wie der Sommer in Deutschland. Zum Schwitzen bringt uns im Moment vor allem der Suaheli-Unterricht. Uns wurde vorher von vielen Leuten bestätigt, dass Suaheli eine leicht zu erlernende Sprache sei. Im Moment scheint das für uns wie eine Verhöhnung. Aber am Ende wird’s sein wie immer: „Die Dinge sind nur in dem Maße kompliziert, wie wir sie nicht verstehen“.

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